
Best Practice
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Quartiere und Lebensräume gestalten mit der
Integration von Wohnen, Pflege und sozialen Angeboten
Antworten auf die demografische Herausforderung
Die demografische Entwicklung mit der wachsenden Zahl älterer, vor allem hochaltriger Menschen, in manchen Ländern noch verbunden mit einem gleichzeitigen Rückgang der Zahl Jüngerer, die zur Versorgung älterer Menschen nicht mehr zur Verfügung stehen, stellt die Altenhilfe in allen europäischen Ländern vor neue Herausforderungen. Eine Umstrukturierung der Altenhilfe wird aus einem weiteren Grund notwendig: Immer mehr ältere Menschen wollen in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben, und möglichst selbstständig und selbstbestimmt leben, auch wenn sie auf Hilfe und Pflege angewiesen sind.
Worum geht es bei quartiers- und sozialraumbezogenen Wohnkonzepten?
Angesichts dieser ökonomischen und sozialen Herausforderungen wird die Altenhilfe den Grundsatz‚ «ambulant vor stationär» konsequenter als bisher umsetzen müssen. Das Leben in den normalen Wohnvierteln ist so zu gestalten, dass man hier im Alter wohnen bleiben und am normalen Leben teilhaben kann. Im Fokus des quartiersbezogenen Wohnkonzepts stehen das Wohnviertel oder Quartier, der Stadtteil, die Gemeinde oder das Dorf, wo Alt und Jung zusammen leben. Hier sollen die notwendigen Angebote in Kooperation der örtlichen Akteure und unter Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger integriert werden, so z. B.:
- barrierefreie – oder barrierearme «normale» Wohnungen und zugänglicher öffentlicher Raum,
- niedrigschwellige Hilfen durch Profis und Nachbarn,
kleinräumige Organisation der häuslichen Pflege, auch für Schwerpflegebedürftige, - ein oder mehrere Begegnungs- und Versorgungszentren, einschließlich Wohnformen für Pflegebedürftige.
Was soll mit der Plattform erreicht werden?
In vielen europäischen Ländern wird mit solchen lebensräumlichen Konzepten experimentiert. Sie zielen in die gleiche Richtung, jedoch sind die Vorgehensweisen bei der Umsetzung unterschiedlich. Trotz der weitgehend universellen Bedürfnisse älterer Menschen können die Organisation und die Finanzierung von Wohnen, Pflege und sozialen Angeboten von Land zu Land erheblich von einander abweichen. Dies beeinflusst die Rolle der Akteure sowie Ausmaß und Geschwindigkeit von Veränderungen. So haben einige europäische Länder hier schon über viele Jahre Erfahrung gesammelt, andere stehen noch am Anfang. Einen Erfahrungsaustausch gibt es bisher – wenn überhaupt – nur innerhalb einzelner Länder. Ein Blick über die Landesgrenzen kann aber helfen, nationale Barrieren vor allem im Hinblick auf sozial- und ordnungsrechtliche Gegebenheiten zu überwinden. Die konkreten Lösungen sind zwar von Ort zu Ort verschieden, aber das Problem und der Lösungsansatz sind global. Mit dieser internationalen Beispiel-Plattform soll der Erfahrungsaustausch angestoßen werden, um voneinander zu lernen und so Innovationen zu stimulieren. Die Information steht allen Interessierten offen und will insbesondere Fachkräfte, Politiker und Bürgerorganisationen dazu inspirieren, solche Konzepte mit zu gestalten.
Wer sind die Initiatoren der Plattform?
In einem ersten Schritt werden Beispiele aus vier Ländern dokumentiert und ins Netz gestellt. Dies wird von der Schweizer AGE Stiftung koordiniert und finanziell unterstützt. Die Beteiligten sind:
- Niederlande: SEV Stuurgroep Experimenten Volkshuisvesting (Lenkungsgruppe für Experimente im Wohnungsbau), Rotterdam, Jeroen Singelenberg
- Deutschland: KDA Kuratorium Deutsche Altershilfe, Köln, Ursula Kremer-Preiß, Holger Stolarz
- Dänemark: Videnscenter på Ældreområdet, (Dänisches Zentrum für Altersfragen), Kopenhagen, Dorte Hoeg
- Schweiz: AGE Stiftung, Zürich, Antonia Jann, Andreas Sidler
Partner aus anderen europäischen Ländern sind als Mitwirkende willkommen. Bis jetzt ist dies eine private Initiative, die unabhängig von Regierungen oder der Europäischen Union arbeitet. Wir treffen uns zwei mal im Jahr, um Projekte zu besuchen und Erfahrungen auszutauschen.
Wie ist die Plattform aufgebaut?
Für jedes Land wird als Hintergrund die nationale Altenpolitik skizziert und der Entwicklungsstand quartiersbezogener Wohnkonzepte vorgestellt. Als Beispiele wurde jeweils ein Projekt im ländlichen Raum und in einer größeren Stadt ausgewählt. Die Struktur der Beschreibung ist bei allen Projekten gleich:
- Kurzfassung
- Projektziele und -schwerpunkte
- Bausteine (Angebotsebene): Wohnen, Soziales, Pflege
- Verfahrenselemente (Akteursebene): Kooperation, Mitwirkung, Projektrealisierung
- Kosten und Finanzierung
- Förderliche und hinderliche Rahmenbedingungen
Welche weiteren Schritte sind geplant?
Alle Texte sollen übersetzt werden und sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch zugänglich sein. In einem zweiten Arbeitsschritt sollen die vorgestellten Beispiele systematisch ausgewertet werden, um aus der vergleichenden Betrachtung Schlüsse zu ziehen, was die vier Länder voneinander lernen können. Gleichzeitig soll der Kreis der beteiligten Länder erweitert werden. Mit dem Ziel, die Plattform zu einem europäischen Netzwerk auszubauen, ist geplant, die Ergebnisse auf einer europaweiten Konferenz vorzustellen und zu diskutieren. Als Perspektive könnte die Internet-Plattform um weitere Räume erweitert werden, wo sich die Akteure untereinander austauschen können.
